Dortmund – Wohnung, wo bist du?

Von zuhause ausziehen – ein Abenteuer für sich. Dann noch in eine Stadt, die mit den öffentlichen Verkehrsmitteln 4,5 Stunden entfernt ist. In eine Stadt, die angeblich nicht gerade ungefährlich ist. In eine Stadt, in der der BVB seine Heimat hat. Zwei Tage im Ruhrpott – Wohnungsuche in Dortmund.


Dortmund: Eintrag No. 1: Zwischen gefährlichem Viertel und Traum-WG

Wer hat es noch nicht gehört? „Dortmund ist eine gefährliche Stadt“, „Halt dich bloß vom Norden fern!“, und so weiter und so fort. Natürlich versuche auch ich mir Ratschläge von anderen zu Herzen zu nehmen, doch ganz so glauben will ich erst, was ich selbst sehe.

Als ich an dem Tag meiner zwei ersten WG-Besichtigungen am Dortmunder Hauptbahnhof ankomme, fällt mir auf, dass es hier von Ausländern nur so wimmelt. Von Ausländern, nicht von Kriminellen. Natürlich erblicke ich so einige Gestalten, von denen ich mich nachts lieber fernhalten würde, aber auf welchem Bahnhof ist das nicht so? Zum Glück habe ich Mama dabei – da kann ja nichts passieren.

Zuerst geht es zum Stadtbezirk Hombruch. Eine ruhige Gegend, alles andere als gefährlich. Es ist beinahe so, als könnte ich die Schmetterlinge fliegen hören. Ich – ein typischer Stadtmensch, zuhause zu Fuß zwanzig Minuten von der Innenstadt entfernt – noch nicht ganz Feuer und Flamme für meinen eventuellen zukünftigen Wohnort. Was sich ändert, als ich die Wohnung sehe…

Sie befindet sich im Obergeschoss eines Familienhauses, ist ausgestattet mit zwei quadratischen Schlafzimmern (eine zweier WG), einem großen, eingerichteten Wohnzimmer, einer eingerichteten Küche, einem großen Bad, einem hübschen Balkon und einem großen Garten. Vor Staunen bekomme ich den Mund fast nicht mehr zu, die Wohnung lässt nichts zu wünschen übrig – vor allem, wenn man an andere WGs denkt (zu neunt Bad und Küche teilen, Schmutzfinken, klitzekleine Zimmer,…). Die WG – ein Traum. Die Mitbewohnerin ebenso. Ein super liebes Mädchen, das ins fünfte Semester kommt, ähnliche Vorlieben hat (Sprache, Mode, Freunde,…) und ordentlich und organisiert ist. Eine bessere WG inklusive Mitbewohnerin kann ich mir nicht vorstellen – schade nur, dass sie noch mindestens sechs andere Interessenten hat, und ich absolut nicht erahnen kann, ob ich ihr sympathisch bin.

Das Problem bei einer WG-Suche ist doch, dass man nicht weiß, worauf es den WG-Mitgliedern, die einen neuen Mitbewohner suchen, ankommt. Ist es der erste Eindruck, der zählt? Ist es dein Aussehen, dein Lächeln, deine Hobbies oder doch nur ein Bauchgefühl? Bei der Besichtigung bin ich so aufgeregt, dass ich mich im Badezimmer mit Wasser vollspritze, plappere wie ein Wasserfall und oft verhaspele – ein super erster Eindruck also. Na danke.

Vollkommen zufrieden von der ersten WG-Besichtigung geht es zu einer WG in der Nähe des Hauptbahnhofs. Schon auf dem Weg dorthin fühle ich mich nicht wohl – es ist ein typisches Bahnhofsviertel. An fast jeder Ecke hängen dunkle, grimmig blickende Männer herum, unglückliche Frauen starren aus den Fenstern, die Wohnungen wirken heruntergekommen und nicht gerade einladend. Die Männer gaffen und pfeifen einem hinterher, verschlingen dich mit Blicken und zwinkern dir zu, egal ob mit oder ohne Mama unterwegs. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie ich hier nachts im Dunkeln alleine nachhause gehe. Ich, die sowieso schon Angst im Dunkeln habe.

Die WG ist vollkommen in Ordnung: drei große Schlafzimmer, ein großes Bad mit Badewanne und Dusche, ein riesiges Gemeinschaftszimmer, Küche, Keller und Waschmaschinen. Eigentlich nichts auszusetzen, sogar der Mieter ist unheimlich nett und würde mir mein Zimmer direkt vermieten. Das Problem ist nur, dass mir das Viertel die ganze Zeit im Hinterkopf herumspukt.

„Angst, Angst, Angst“. Wie soll ich hier abends nachhause, vor allem, wenn es bald immer früher dunkel wird? Die Warnungen wie „Dortmund ist gefährlich“ und „Halt dich bloß vom Norden fern!“ spuken in meinem Kopf herum. Dabei bin ich doch der Stadtmensch und die Wohnung so nahe an der Innenstadt.

Den ganzen Abend bete ich, dass ich die Wohnung in Hombruch bekomme. Mir ist nämlich noch etwas bewusst geworden: Bei der Wohnung in Hombruch habe ich mich fast wie zuhause gefühlt. Es war aufgeräumt, aber gemütlich. Wie zuhause eben. Bei der Wohnung am Hauptbahnhof kam ich mir eher vor wie zu Besuch, in einem Hostel, in einer Wohnung, die zum Übergang ausreichen sollte. Zur Weiterreise. Ein Ort, in dem ich mich nicht zuhause fühlen würde. Nie.

Das Mädchen will mir in vier Tagen Bescheid geben, ich dem Vermieter an der Hauptbahnhof-WG auch in vier Tagen. Wie soll ich das so lange aushalten? Ich versuche mich mit dem Gedanken anzufreunden, dass ich in einer Gegend mit gaffenden, gruseligen Männern leben werde. Gut, für ein Semester wird es in Ordnung sein, dann suche ich mir eben etwas Neues. Momentan brauche ich dringend eine Wohnung und es ist nicht einfach in einer Studentenstadt etwas Gutes, relativ Günstiges zu finden – und von innen ist die Wohnung vollkommen in Ordnung. Nur vom Viertel eben nicht…

Gegen 21 Uhr bestellen wir etwas beim Chinesen, um die Anspannung aufzulockern und nicht die ganze Zeit an die tolle WG in Hombruch zu denken. Ich werde sie sowieso nicht bekommen, denke ich. Das Mädchen hat so viele Bewerber gesehen, und ich hatte mich doch angestellt wie ein Trottel. Zumindest ein freundlicher Trottel. Da klingelt gegen 21:30 Uhr mein Handy. Das Mädchen!

Einige Minuten später kehre ich nach dem Telefonat ins Wohnzimmer zurück und lächle triumphierend meine Verwandten an. „ICH HABE DIE WOHNUNG“, schreie ich und meine Mutter, meine Tante und mein Onkel gratulieren mir wie zu einem WM-Titel. Ich kann es selbst nicht fassen und bin überglücklich.

Erklärung: Das Mädchen hatte mich erst gefragt, wie ich die zweite WG-Besichtigung fand (meine Antwort: WG ok, aber gefährliche Gegend…und natürlich: „Deine Wohnung hat mir sooo viel besser gefallen!“), und eröffnete mir dann, dass sie mit ihrer Mutter gesprochen hatte und sie mich und meine Mutter bei der Besichtigung so sympathisch fand, dass sie nicht mehr bis Sonntag warten, sondern mir heute schon eine Zusage mitteilen wollte. Damit hatte ich niemals gerechnet. Oh mein Gott, ich habe meine erste Wohnung in Dortmund, sie ist der Hammer und nachts muss ich keine Angst haben, alleine nachhause zu gehen. Juhu!

Snapchat

Snapchat: kathrinwe

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5 Gedanken zu “Dortmund – Wohnung, wo bist du?

  1. Hey, das ist ja witzig! Ich verfolge deinen Blog jetzt seit einer Weile und ziehe auch nach Dortmund! Ich wohne allerdings in der Nordstadt mit den gefährlichen Männern, mal schauen wie es so wird 😉
    An welcher Uni wirst du denn studieren? 🙂

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  2. *Lach* … da wollte ich dir mal liebe Grüsse aus der Nordstadt senden und bin nicht mal die Erste. Dein Blog gefällt mir sehr gut, werde mich mal einlesen. LG Katja.

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