Florida – Life is a beach

Marineland

Life a beach? Ist die bescheuert? Nein. Denn als ich das Leben am Flagler Beach beobachte, erkenne ich tatsächlich alle Stereotypen wieder. Die Coolen, die Nerds, die Bitches. Von allem und jedem ist etwas dabei. Doch wer steht an der Spitze der Strand-Hierarchie? Und zu wem gehöre ich?


Florida: Eintrag No. 4: The King of the Beach

Looking out for... Foto: P. W.

Looking out for some people Foto: P. W.

Als ich am ersten Tag meines Urlaubs in Florida über den beach laufe, wird mir bewusst, dass mir die Leute irgendwie bekannt vorkommen. Natürlich nicht wirklich, schließlich war ich schon einige Jahre nicht mehr am Flagler. Sondern von ihrer Art. Ich komme mir wieder vor wie in der Schule. Die klassischen Stereotypen laufen hier herum… ich muss schmunzeln.

Auf der einen Seite des Piers befinden sich einige Pavillons, davor stapeln sich Unmengen von surf boards – heute findet ein life guard – contest statt. Lebensretter aus ganz Florida kommen zusammen, um in Wettkämpfen wie Surfen, Paddeln, Schwimmen und Rennen gegeneinander anzutreten und ihre Sportlichkeit zur Schau zu stellen. Die jungen Männer lassen gekonnt ihre Muskeln spielen, spannen ihren knackigen Po um die Wette an. Die sportlichen Mädels schwingen ihre langen, von der Sonne gebleichten Haare, lächeln mit ihren weißen Zähnen und zeigen ihre heißen, durchtrainierten Körper. Das hier ist eindeutig die sportliche Elite, die die anderen Strandbesucher verblassen lassen.

Nicht weit daneben liegen die anderen „Sportler“. Diejenigen, die nur die Muskeln trainieren, die man (im Club) sieht, und für die wahrer Sport im Fitnessstudio betrieben wird. Die Proleten, die den Mädchen hinterherpfeifen, in der Hoffnung, dass sie auch mal beachtet werden. Doch wer steht schon auf aufgeblasene Kerle, die nichts anderes als ihre Proteinshakes und Anabolika im Kopf haben?

Ich gehe weiter und entdecke unter dem Pier eine weitere Gruppe von Jungs, die die meisten Leute vermutlich gar nicht bemerken. Oder gar nicht bemerken wollen. Die Loser. Mit Badeshorts, die kariert sind und zu allem Überfluss noch bis übers Knie reichen. Die ihre weiße Hühnerbrust präsentieren, wenn sie Glück haben, sind ihre Arme ein wenig gebräunt. Oder besser gesagt vom Sonnenbrand knallrot. So ein T-Shirt-Abdruck macht schon etwas her. Um ihre coolness abzurunden, halten sie noch stolz einige Dosen bud light Bier in der Hand. Zu cool für die Welt.

Eine Gruppe Mädchen läuft an ihnen vorbei, den Losern läuft das Wasser im Mund zusammen. Die gebräunten Schönheiten wackeln mit ihren knackigen Pos, die sie stolz in ihren knappen Strings präsentieren. Auch ihre Bikinioberteile sind so knapp, dass ich mich frage, wozu sie sie überhaupt noch tragen. Noch mehr zeigen geht sowieso nicht. Kokett kichern sie, machen Fotos für ihre Snapchat story und reden über die Party vergangenes Wochenende. Eindeutig die bitches vom Strand.

Hinter dem Pier liegen die Normalos. Die Frauen und Männer, deren Figur Durchschnitt ist, die einfache Badekleidung tragen, sich sonnen, lesen und ab und zu im Ozean schwimmen gehen. Diejenigen, die sich nicht um die Meinung anderer scheren, und einfach ihren Tag am Strand genießen.

Dazwischen liegen die Klischee-Amerikaner, mit fettigen Pizzen in der Hand. Sie kraulen sich ab und zu den schwulstigen Bauch und stoßen mit süßer Cola und Sprite auf ihr Leben an.

Da tönt mir plötzlich laute Musik entgehen. Ich versuche, die Richtung auszumachen, aus der die rockigen Töne klingen, und sehe eine Gruppe von Jugendlichen, die weit entfernt von der Masse chillen. Die Alternativen. Sie machen, was ihnen gefällt, rauchen eine Zigarette nach der anderen und entspannen bei ihrer eigenen Musik. So lässt’s sich leben.

Die vorletzte Gruppe, der man unweigerlich an wohl jedem Strand begegnet, ist die klassische family. Die überforderte Mutter schreit ihre plärrenden Kinder an. Der Sohn pinkelt gerade in den Sand, seine kleine Schwester isst ihn (den Sand, nicht den Bruder) und der älteste Bruder bewirft seine Geschwister mit dem restlichen Sand. Gibt ja genug davon am Strand. Der Kopf der Mutter ist inzwischen hochrot angelaufen, die Kinder ignorieren ihr Geschrei. Der Vater liegt entspannt auf seinem Badetuch, liest Zeitung und sonnt seinen Bierbauch. So eine idyllische Familie wünsche ich mir auch.

Ich bin langsam am Ende meines Spaziergangs angekommen, auch ich will mich jetzt an den Strand legen und die heiße Sonne genießen. Entspannt lege ich mich auf mein Badetuch, als mir die wahren Könige des flagler beach entgegenkommen. Die life guards, die nicht für irgendwelche Wettbewerbe hier sind, sondern um ihrer Arbeit nachzugehen. Den ganzen Tag sitzen sie auf ihren roten Thronen, halten Ausschau nach Haien und ertrinkenden Schwimmern, fahren mit ihren quads über den Strand und sind für alle da. Sie pfeifen – nicht den Mädels hinterher – wenn man zu nahe am Pier schwimmt, entscheiden, wann die rote Fahne gehisst wird und man nicht in den Ozean darf. Dann ändert es nichts, ob du ein gutaussehendes Muskelpaket bist oder durch die Gegend rollst. Den life guards musst du so oder so Folge leisten. Und ab und zu haben sie auch wirklich etwas zu tun – so auch heute. Als ein kleines Mädchen im Wasser spielt und einen Hitzeschock erleidet – sie fällt immer wieder in Ohnmacht und kann sich nicht mehr bewegen – trippelt der blonde gebräunte Lebensretter heran, ganz wie David Hasselhoff in Baywatch, und rettet das Leben der Kleinen. Ja, heute ist er wirklich der king. 

Flagler Beach

Der Thron des kings Foto: kawe

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