Welt: Erst das Studium erobern, dann die Welt

„Halt die Klappe!“ würde ich in letzter Zeit gerne mal sagen. Nicht aus Unhöflichkeit, sondern aus Trotz. Während alle meine Bekannten scheinbar die ganze Welt von Australien über die Philippinen nach Brasilien bereisen und mir mit Glitzern in den Augen davon erzählen…sitze ich in meinem kalten Zimmer fest (außer ich mache mal die Heizung an, wobei ich den Winter boykottiere) und muss lernen. Dabei würde ich momentan viel lieber an der Copa Cabana einen Cocktail schlürfen oder mit Kängerus um die Wette hüpfen.

Work and Travel, Au Pair oder einfach Papas Portemonnaie mopsen und ein bisschen durch die Welt reisen. Viele machen genau das nach dem Abitur und genießen ihr Leben. Da mein Motto aber „erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ lautet, bin ich nach dem Abitur direkt ins Studium geschlittert. Wenn ich genau weiß, was ich will, wieso soll ich dann noch ein Jahr darauf warten? Schließlich haben nicht nur fremde Länder und Kulturen Abenteuer zu bieten, sondern auch das Leben selbst.

So ist der Abschnitt Studium ein großer Schritt und eine ganz individuelle Reise. Neue Stadt, neue Freunde, eigene Wohnung. Das erste Mal auf sich allein gestellt sein, die eigene Wäsche waschen, Klo putzen und über laute Nachbarn aufregen. Jetzt ist Mama nicht da, um alle Kleinigkeiten zu erledigen. Kein Auto, mit dem man gemütlich schwere Wasserflaschen nach dem Einkaufen nachhause fahren kann. Selbst ist der Student!

Aufregend genug ist diese Reise in die Studentenwelt also schon. Wenn es jetzt aber in die Klausurenphase geht, weicht die positive Aufregung der blanken Angst vor den Prüfungen. Vor allem wenn man oft nicht mal Bahnhof versteht. Da möchte man statt in der Vorlesung nur körperlich anwesend zu sein lieber am Strand sitzen, Elefanten reiten oder in New York shoppen gehen. Vor allem wenn man die vielen Fotos der Weltenbummler auf Facebook und Instagram sieht.

Aber Halt! Stopp! Das alles kann ich auch noch haben. Schließlich steht man als Student endlich auf eigenen Beinen, kann nebenbei arbeiten und sich in den Semesterferien mit dem eigenen Geld eine hübsche Reise gönnen. Außerdem ist es doch schön, wenn man noch nicht alles auf der Welt gesehen hat, sondern noch viele Wünsche und Träume auf seiner To-Do-Liste stehen hat. Wir sind doch noch jung und haben das ganze Leben vor uns. Selbst mit 50 kann ich noch eine Weltreise starten, mir eine Auszeit nehmen und das Leben genießen. Wir sind unser eigener Herr und manchmal kommt eben die Arbeit vor dem Vergnügen. Das man sich dann umso mehr verdient hat.

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2 Gedanken zu “Welt: Erst das Studium erobern, dann die Welt

  1. Eigentlich hört es sich eher danach an, dass da Neid raus klingt? Man ist im Ausland noch viel mehr auf sich alleine gestellt und zusätzlich noch mit neuen Kulturen, Sprachen und Umwelteinflüssen konfrontiert. Es gibt auch genug die genau wissen was sie wollen aber trotzdem zuerst ins Ausland gehen. Die Sache ist doch dort Erfahrungen zu sammeln die man hier oft gar nicht sammeln kann. Was bringen mir die Erfahrungen mit 50 wenn mein Leben schon fast oder zumindest bald vorbei ist? Es ist doch viel wertvoller all diese Erfahrungen in jungen Jahren zu machen und dann ein Leben lang davon profitieren zu können.

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    • Für mich ist das kein Neid, schließlich bereue ich die Entscheidung nicht zu studieren statt erst mal ins Ausland zu gehen. Es sind einfach zwei verschiedene Dinge, bei denen man beides mal auf unterschiedliche Hürden und Herausforderungen trifft. Und wenn du der Meinung bist, dass mit 50 dein Leben fast vorbei ist, ist das eher traurig. Schließlich hast du dann vielleicht noch die Hälfte deines Lebens vor dir? Und meiner Meinung nach kannst du von allen Erfahrungen schöpfen, ob du mit 18 deine große Reise machst, mit 25 oder 30. Jedes Mal wäre es anders, da du dich in einem anderen Lebensabschnitt befindest und andere Erfahrungen dein Leben prägen.
      Ich sage ja nicht, dass es falsch ist, jung eine große, längere Reise zu machen. Sondern dass es für einige von uns nicht der zwingende bzw. der richtige Weg wäre und uns die Zeit ja nicht davonrennt.

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