Kopenhagen – Keine Stadt, sondern ein Lebensgefühl

Copenhagen

Schon vor meiner Anreise habe ich mir gedacht: Kopenhagen wird ein Erlebnis. Kopenhagen ist eine kunterbunte Stadt. Kopenhagen ist eine Stadt der Mode. Doch die Stadt ist noch viel mehr. Sie ist ein Lebensgefühl und ein Lebensstil.

Als ich mit meiner Freundin durch die dänische Hauptstadt laufe, fühlen wir uns keineswegs wie Touristen. Die Straßen sind nicht voller fotografierender Asiaten und Touris, sondern voller gut gekleideter junger Menschen. Viele würden sie als „Hipster“ bezeichnen.

Doch was ist ein Hipster überhaupt? Ein Mann mit Vollbart, Jutebeutel und einem Ausschnitt, der Brudtbehaarung zeigt? Eine Frau mit Sidecut, Tattoos und Zigarrette in der Hand?

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Quelle: faz.net

Eine eindeutige Definition findet man selbst auf Google, dem Alles- und Besserwisser des 21. Jahrhunderts, nicht. Einigen wir uns also einfach auf eine Subkultur, die sich vom Mainstream abgrenzen will, recht gebildet ist und meist unter sich bleibt.

Erkennen kann man Hipster an ihrem Modestil, in dem sie sich dann doch nicht mehr so von den anderen unterscheiden. Schließlich imitieren viele junge Menschen heutzutage die Kleidung der Hipster.

Nichtsdestotrotz spürt man das Hipstertum in der dänischen Hauptstadt. Cool gekleidete junge Leute so weit das Auge reicht, Second Hand-Läden an jeder Ecke und alternative Geschäfte wie Shops extra für Kakteen oder Bio-Friseure.

Man könnte meinen, die kopenhagischen Hipster heben sich von der Masse ab, doch im Gegenteil: Sie sind die Masse in Kopenhagen. Und wirken überaus freundlich und helfen, wenn man sich verlaufen hat.

Eine weitere Besonderheit? Viele der jungen Menschen schieben moderne Kinderwägen vor sich her, werden scheinbar früh Eltern – meist begegnen wir  fürsorglichen Vätern, die mit ihrem Kind spazieren gehen. Dänische Eman(n)zipation!

Nun bist Du bestimmt neugierig, wo sich diese hippen Leute in Kopenhagen aufhalten und wie Du selbst ein bisschen von der Hipster-Luft schnuppern und zumindest für eine kurze Zeit einen Teil dieses Lebensgefühls spüren kannst. Dafür habe ich einen Hipster Guide erstellt, mit den fünf hippsten Orten in Kopenhagen.

1. Das Viertel Nørrebro

Diesen Teil Kopenhagens bewohnen wohl die meisten jungen Menschen und Studenten – sowohl aus Dänemark als auch international. Hier wimmelt es von besonders eingerichteten Cafés (keines gleicht dem anderen),Second Hand- und Vintage-Läden (ein Muss für jeden Modeliebhaber oder überhaupt jeden Menschen, der Kleidung trägt!) und außergewöhnlichen Geschäften. In Nørrebro befindet sich auch der Assistens Kirkegard, ein Friedhof, der bei gutem Wetter zum Treffpunkt der jungen Leute wird. Ein merkwürdiger Ort zum Chillen, nicht? Die Hipster wollen sich eben von der Masse abheben.

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Ein frischvermähltes Hipster-Ehepaar mit seinem Gefolge. Foto: kawe

In Nørrebro gibt es auch das Hostel „Global Hagen“, das ich nur empfehlen kann. Es wird von Freiwilligen (überwiegend aus Südamerika) betrieben. Die Einnahmen werden an Bedürftige gespendet beziehungsweise an eine dänische Organisation, die sich für Menschenrechte und gegen Armut stark macht. Zudem ist das Hostel bezahlbar und wird abends zu einem Treffpunkt für die Studenten Kopenhagens. Das Café von Global Hagen sieht aber auch hip aus und es treten regelmäßig kleinere Bands auf.

2. Jaegersborggade

An einem Abend im Global Hagen lernten wir zwei Dänen kennen, die uns die „Hipster“-Straße in Kopenhagen empfohlen: Jaegersborggade (ausgesprochen etwa: Jejersborgay. Es hat etwas gedauert, bis wir verstanden, was die Typen uns sagen wollten! 😀 ).

Und tatsächlich: Durchquert man den Assistenskirkegard gelangt man zu einer Straße, in der es noch hippere Cafés gibt, noch mehr Second Hand-Läden und sogar ein Kaktus-Geschäft. Hier werden Kakteen in den verschiedensten Formen, Größen und besonderen Töpfen verkauft (ob davon tatsächlich viel verkauft werden, bin ich mir bei den Preisen nicht so sicher!).

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Vorsicht, dass Du Dich nicht stichst! Foto: kawe

Zudem gibt es in der Jaegersborggade einen ökologischen Friseur und einige hip gekleidete Menschen – wenn man nicht gerade morgens um 11 Uhr da ist, der hippe Kopenhagener schläft nämlich gerne aus.

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Ein ökologischer Friseur (hoffentlich wird hier Shampoo nicht doppelt genutzt 😉 ). Foto: kawe

3. Superkilen und Vintage Club

Wenn Du ein Stückchen in die nord-westliche Richtung weiterläufst, kommst du zum Superkilen, einem rosaroten Platz für Skateboarder. Abgesehen davon gibt es hier eine lustige Schaukel, bei der es aber fragwürdig ist, wie man hier ohne einen Anschubser schaukeln kann. Die Schaukel ist für zwei Personen gedacht, die sich gegenübersitzen und anlächeln können – ohne, dass die Schaukel sich ernsthaft fortbewegt, wenn niemand anschubst. 😀

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Rosaroter Skater Park. Foto: kawe

Direkt am Superkilen gibt es eine große Halle, in der ab und zu eine Vintage Club-Ausstellung stattfindet. Als wir da waren, hatten wir Glück, dass wir reindurften – der Eintritt sei eigentlich nur Clubmitgliedern gestattet, sagte ein Türsteher. Vielleicht waren wir ja freundlich und gut gekleidet genug, um reinzukommen, denn als wir drin waren, stöberten nur eine Handvoll Menschen durch die reich behängten Kleiderständern.

Dann passierte etwas Witziges: Meine Freundin Felicia machte gerade ein Foto von mir, als ein Mann im Anzug auf mich zukam und etwas auf Dänisch sagte. Ratlos teilte ich ihm mit, dass ich die Sprache nicht verstand, woraufhin er mich auf Englisch fragte, ob ich Modebloggerin sein. Ich verneinte (obwohl das wirklich Mal ein Traum wäre!) und er sagte, wie schade das sei, denn er sei gerne an einer Kooperation interessiert gewesen. (Wie toll das wäre… kostenlose Kleidung, nur damit man sie auf seinem Blog veröffentlichen kann! Ein Traum eines jeden Mädchens!). Vielleicht sollte ich mir das mit dem Reiseblog nochmal überlegen und einen Modeblog erstellen! 😉

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Eine Ecke der Halle, in der der Vintage Club seine Kleidung verkaufte. Foto: kawe

4. Design Museum Denmark

Für alle Mode- und Einrichtungsliebhaber ist dieses Museum ein Muss, vor allem weil es für unter 26-Jährige kostenlos ist. Hier sieht man Retro-Fernseher, stilvolle Möbel und Kleidungsstücke aus früherer Zeit. Zudem gehört eine schicke Bibliothek zu dem Museumshaus, in der wohl jeder Student gerne lernen würde. Die Bücherregale sind voller Modebücher aus aller Welt und laden zum Stöbern ein.

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Vollkommen verliebt in diese Bibliothek und die Modetipps. Foto: Felicia Adeyemi

5. Christiania

Last but not least ist der Freistaat Christiania ein Must-See für jeden Kopenhagen-Touristen. Ja, Freistaat, richtig gehört. Die Mitglieder der Kommune organisieren sich selbst, so zum Beispiel auch ihre Post und ihren Kindergarten und möchten sich durch ihre Geschäfte vom dänischen Staat freikaufen.

Läuft man durch das Viertel, kommt man durch eine sogenannte Pusher Street, in der maskierte Männer Cannabis und Pillen verkaufen – ein Schild warnt vor dem Fotografieren auf dieser Straße. Als ich durch die Pusher Street voller Graffiti, maskierter Männer und schmuddeliger Gestalten spaziere, fühle ich mich zwar nicht bedroht, aber doch irgendwie unwohl. Ich frage mich auch, wie der dänische Staat von alldem wissen kann und die Kleinkriminellen nicht verhaftet. Von mir aus sollen sie tun, was sie wollen… merkwürdig finde ich es trotzdem.

Doch Christiania besteht nicht nur aus der Pusher Street. Als wir einen schmalen Kanal überqueren, sehen wir kleine Holzhäuschen, die liebevoll mit Blumen geschmückt sind. Interessanter Fakt: Die Häuser gehören der Kommune, nicht Bewohner. Zieht jemand aus, entscheidet die gesamte Kommune, wer als nächstes dort einziehen darf.

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Ein Graffiti in einem Teil Christianias, in dem man Fotos machen darf. Foto: kawe

Kopenhagen gefällt Dir? Dann warte auf weitere Beiträge oder schau Dir derweil noch meinen Eintrag zu Bergen an, die Fotos sind es schon mal wert! 😉

 

 

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5 Gedanken zu “Kopenhagen – Keine Stadt, sondern ein Lebensgefühl

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