Myanmar: unbeschreiblich

Das erste Mal Asien, das erste Mal Recherchereise. Wie bereitet man sich auf ein Land vor, das noch so gut wie keiner bereist hat? Dessen Namen die meisten nicht einmal kennen? Am besten gar keine Vorbereitung. Myanmar hat mich überrascht, beeindruckt und war für mich die bisher intensivste Reise meines Lebens.

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Vietnamesischer Mönch auf Besuch in Bagan. Foto: kawe

Nachdenklich sitzt der Mönch auf einer der über 2.000 Pagoden in Old Bagan. Vielleicht denkt er über seinen Glauben nach, vielleicht an die nächste Mahlzeit, wobei: Abendessen gibt es bei den buddhistischen Mönchen nicht. Vielleicht denkt er auch einfach an aufreizende, leicht bekleidete Damen. Abstinent muss er ja leben, sein Denken kann er aber selbst bestimmen.

Myanmar macht nachdenklich, Myanmar mag einerseits bedrücken, andererseits auch immens beglücken. Die Zeit in diesem Land war für mich intensiv und berührend, die Gespräche mit einheimischen Mönchen, Studenten, Kindern und Eltern bereichernd. Die burmesische Kultur ist noch unberührt von Touristen, scheint gerade in den Kinderschuhen zu stecken. Es ist Zeit des Aufbruchs, Zeit des Aufwachens aus der Ohnmacht.

Nicht viel möchte ich nun von Myanmar erzählen, nur ein bisschen. Denn Worte sind zu wenig, um zu beschreiben, wie es wirklich war. Beeindruckend.

Mit einem 18-jährigen Mönch zu sprechen, der seit zehn Jahren seinem Glauben folgt und entgegen aller Vorurteile ein eifriger Nutzer von Facebook und Co. ist, amerikanische Sänger abgöttisch liebt und nichts lieber täte, als Europa zu erkunden.

Mit Kindern zu sprechen, die über 12 Stunden täglich für einen Hungerlohn arbeiten, ohne Lächeln auf den Lippen, mit dem Geld aber ihrer Familie helfen und deswegen doch glücklich sind.

Mit Kindern zu sprechen, die in die Schule gehen dürfen, die glücklich sind, wenn sie von der UN Kekse geschenkt bekommen, die sie für den Alltag kräftigen sollen. Kinder, die noch eine Zukunft sehen, die Arzt werden möchten oder Lehrer.

Mit Eltern zu sprechen, die nichts lieber hätten, als einen festen Job, ein festes Einkommen. Überhaupt ein Einkommen.

Arbeiter in einer Textilfabrik zu sehen, die scheinbar unter guten Bedingungen arbeiten, die während der Arbeit lachen, singen und sich unterhalten.

Auf der anderen Seite kranke, streunende Hunde zu sehen, die auf der Suche nach Nahrung immer wieder knurren und bellen.

Taxifahrer und Straßenverkäufer zu beobachten, die einen widerlichen roten Tabak kauen, der übermäßig Speichel produziert, den sie gefühlt alle paar Minuten ausspucken und somit Spuren auf der Straße hinterlassen, die aussehen wie Blut nach einem Krieg.

Mit intelligenten Studenten zu sprechen, die andererseits Homosexuelle abscheulich finden und mit Muslimen kein Wort sprechen würden – niemals.

Und viele andere Situationen, die anders waren, als erwartet.

Ich, die Weiße, in einem Land, das von der westlichen Außenwelt kaum wahrgenommen wird.

Ich, die Weiße, die bewundert wird, wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Haarfarbe und ihrer Größe.

Ich, die Weiße, die reich ist für die Einwohner, die aus einem erfolgreichen, unerreichbaren Land kommt, dass sie nur wegen Fußball kennen – ja, BVB und Bayern München sind auch 8.000 km weit weg bekannt.

Ich, die Weiße, die immer wieder angestrahlt wird, fotografiert wird. Wie eine Prominente angeschaut, angelächelt.

Dabei haben die Burmesen nicht viel von mir gelernt, sondern ich viel von ihnen. Nämlich, dass gerade diejenigen, die ich kennengelernt habe, die nicht immer ausreichend zu essen haben oder Sorgen um die Zukunft ihrer Kinder und die eigene, die Glücklichsten waren. Weil sie ihr Leben akzeptieren, weil sie glücklich sind, ohne Besitz. Was wir Weißen noch lernen müssen. Denn die Hautfarbe sagt nichts über Erfolg oder Glück aus. Sie ist uns gegeben, wir wählen sie nicht aus. Niemand wählt sie aus.

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If you’re happy and you know it just smile. Foto: kawe

 

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