Krakau: Gut, günstig und geschichtlich – 10 Tipps für die heimliche Hauptstadt Polens

Ja, meine Familie kommt aus Polen. Und ja, ich mag Polen. Aber das heißt noch lange nicht, dass ich jede Stadt, jede Reise dorthin mögen muss. Vor dem Kurztrip nach Krakau war ich skeptisch, ob die Stadt für vier ganze Tage etwas zu bieten hat. Und wurde überrascht: Krakau ist der perfekte Mix aus Architektur, Kultur, Geschichte und kulinarischen Spezialitäten. Ein Trip, der einfach gut, günstig und geschichtlich ist.

Polen ist definitiv eine Reise wert, das wusste ich schon vor meiner Reise nach Krakau. Wroclaw, praktisch meine zweite Heimatstadt, ist eine wunderschöne Stadt und auch an der polnischen Ostsee hat es mir sehr gut gefallen – günstiger als in Deutschland und dennoch oder gerade deswegen einfach ein schöner Entspannungsurlaub. Aber auch Krakau ist eine Reise wert. Hier 10 Tipps für die heimliche Hauptstadt Polens.

1. Plac Bohaterów Getta und Fabryka Schindlera (Platz der Ghettohelden und Schindlers Fabrik) – Ein Stück Geschichte

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Gefüllt mit Leere. Foto: kawe

33 leere Metallstühle. Über sechs Millionen ermordete Juden. Der Platz der Ghettohelden erinnert an die Selektion, Deportation und Ermordung der Juden. Einer der Eingänge des Krakauer Ghettos befand sich an diesem Platz, auf dem viele Juden ihre letzte Ruhe fanden – nach dem gewaltigen Sturm der Ermordung.

Als ich auf dem Platz stand, erfüllte mich eine unheimliche Leere. Ich war ergriffen von der Geschichte, die sich auf diesem Platz ereignet hat. Und plötzlich unheimlich traurig. Man denkt schnell an das Holocaust-Mahnmal in Berlin, aber das Gefühl hier ist stärker. Beklemmend wirken die großen Schatten, die die leeren Stühle werfen. Bedrückend die Leere, die mein Inneres hier erfüllt.

Fußläufig erreicht man von hier aus Schindlers Fabrik. Wer kennt den Film „Schindlers Liste“ von Steven Spielberg nicht? Immerhin hat er sieben Oscars bekommen, für die beeindruckende Geschichte von Oskar Schindler, der über 1000 Juden das Leben gerettet hat.

Beeindruckend ist auch das Museum, das in der Original-Fabrik entstanden ist. Montags gibt es freien Eintritt, und Du solltest Dir viel Zeit nehmen. Das Museum erzählt von der Besetzung Polens durch die Nazis, führt den Besucher zurück in die Vergangenheit und bringt einem fast zum Weinen, wenn man bedenkt, dass die Ermordung und Unterdrückung so vieler Menschen tatsächlich wahr ist. Schindlers Fabrik – ein wichtiger Teil deutsch-polnischer Geschichte.

2. Kazimierz (Das jüdische Viertel) – Traurige Vergangenheit, lebendige Gegenwart

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Polen. Foto: kawe

Wenn wir schon bei der Geschichte sind, solltest Du auf jeden Fall das jüdische Viertel Kazimierz besuchen. Hier gibt es zahlreiche Synagogen und jüdische Friedhöfe, von denen Du Dir wenigstens eine anschauen solltest. Ich war vorher noch nie in einer und war überrascht, wie stark sie sich von christlichen Kirchen unterscheidet und wie es einen berührt, dass Juden, die schon lange nicht mehr leben, hier gebetet haben. Und Juden hier immer noch beten.

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Statt Blumen legen Juden Steine ans Grab. Sie symbolisieren unter anderem Beständigkeit und Unvergänglichkeit. Foto: kawe

Aber das jüdische Viertel ist nicht nur ein Ort zum Beten, es ist auch das heimliche Hipster-Viertel Krakaus. Es lädt mit alten, nahezu zerstörten Gebäuden (- trotzdem mit einem gewissen Charme), günstigen Studentenkneipen (1 Bier=1 Euro) zu geselligen Abenden ein.

3. Fußgängerbrücke „Kładka Ojca Bernatka“ – Liebe als Balanceakt 

Romantische Schlösser gibt es an vielen Brücken – damit ist die Kładka Ojca Bernatka keine Besonderheit. Was sie aber besonders macht? Die Akrobaten, die auf dem durch den Wind schwingenden Seil balancieren und beinahe in die Weichsel zu fallen scheinen.

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Einer der zahlreichen Akrobaten. Foto: kawe

4. Miód Malina, Ariel und Zapiekanki an der Straße – Schmausen in Krakau

Du kannst nicht eine einzige polnische Mahlzeit nennen? Dann hast Du in deinem kulinarischen Leben echt etwas verpasst. Ruskie pierogi, Zapiekanki, Barszcz czerwony und und und. Die polnische Küche hat so viel zu bieten, ein Essen leckerer als das Andere. Deswegen hier ein paar Restaurant-Empfehlungen für Krakau:

  • Miód Malina: Im Herzen der Altstadt (am Rynek), sieht sehr teuer aus, Preise aber völlig in Ordnung. Von polnischen bis zu italienischen Gerichten eine gute Auswahl – einfach lecker.
  • Ariel: Jüdisches Restaurant in Kazimierz – preiswertes leckeres jüdisches und polnisches Essen. Herrliches, altmodisches Ambiente plus jüdische Souvenirs.
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Russische Maultaschen (ruskie pierogi). Fast so gut wie von Mama – fast! Foto: kawe

  • Rzeznia: Nichts für Vegetarier, aber für wahre Polenfans. Polen ist bekannt für sein leckeres Fleisch. In der Rzeznia in Kazimierz kommen „Fleischarier“wirklich auf ihre Kosten. Lecker, lecker!
  • Street Food: Für den schnellen Hunger einfach eine Zapiekanka-to-go bestellen: ein knuspriges Baguette, klassisch mit Champignons und Käse überbacken, Ketchup drauf und voila: ein einfaches, aber super schmackhaftes Gericht für unterwegs.

5. Wieliczka – eines der ältesten und berühmtesten Salzbergwerke der Welt

Kapellen aus Salz, Statuen aus Salz, alles aus Salz. Das Salzbergwerk in Wieliczka ist mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nur zwanzig Minuten von Krakau entfernt und ein absolutes Muss. Nicht umsonst ist es UNESCO-Weltkulturerbe und eine der größten Attraktionen Polens – wenn nicht sogar DIE größte.

Das Salzbergwerk darf man nur mit einer Führung betreten, die etwa drei Stunden dauert – es lohnt sich aber. Die Touristenführerin wird Dich sicherlich auffordern, die Wand anzulecken (ohne Spaß!), und tu’s einfach. So einen starken Salzgeschmack hast Du bestimmt noch nie geleckt, äh, geschmeckt.

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Nein, kein Blumenkohl. Sondern pures Salz. Foto: kawe

Aber nicht nur dein Geschmackssinn ist im Salzbergwerk gefragt, sondern auch dein Gehör. Die Touristenführer erzählen nämlich spannende Sachen – zum Beispiel, dass Pferde in über 100 Metern Tiefe gearbeitet haben und mit den merkwürdigsten Gerätschaften hinunter transportiert wurden. Sinn Nummer 3: Der Sehsinn. Unter anderem für die faszinierende Kingakapelle im Einsatz – vollkommen aus Salz und vollkommen beeindruckend. Vor allem, weil hier immer noch Gottesdienste stattfinden. Und teilweise auch Hochzeiten.

6. Katholisches Krakau: Krakaus Kirchen

Egal, ob Du religiös bist oder nicht. Schau Dir unbedingt die Kirchen Krakaus an – eine ist schöner als die andere. Man merkt direkt, dass die Polen früher all ihr Geld in ihre Kirchen gesteckt haben. Zum Glück für uns Touristen – denn sie sind ein wahrer Hingucker.

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St. Peter und Paul-Kirche. Foto: kawe

In der Marienkirche darf man leider keine Fotos machen – die bunten Wände, Decken und Altäre solltest Du Dir aber unbedingt anschauen. Und zur vollen Stunde das berühmte Trompetenspiel anhören.

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Das berühmte Fenster der Franziskaner Kirche. Foto: kawe

7. Gewimmel im Kern der Stadt – Rynek

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Kate in Kraków. Foto: Miriam Mathein

Zu jeder großen, polnischen Stadt gehört der Rynek, die Altstadt, der Marktplatz. Wunderschöne, bunte Altbauten, in Krakau auch noch die Arkaden, zahlreiche Restaurants und kleinere Geschäfte. Im Rynek pulsiert das Leben, Straßenmusiker und -künstler laden zum Mittanzen und Mitsingen ein. Ein Krakaubesuch ohne Rynek ist kein Krakaubesuch. Das weiß auch die UNESCO, und hat es zusammen mit dem Schloss Wawel zum Weltkulturerbe ernannt.

8. Wawel – Märchen werden auch in Polen wahr

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Prinzessinnen vor dem Märchenschloss. Foto: Slawek Doleglo

Königinnen und Könige. In Krakau? Ja, selbst hier gab es mal eine Monarchie. Und die kannst Du im Schloss Wawel näher kennen lernen. Der Eintritt ist mal wieder ein Schnäppchen, aber wem selbst zwei, drei Euro zu viel sind: Die Kathedrale und einen wunderschönen, weißen Platz gibt es für lau zu sehen. Plus Aussicht auf Krakau und die Weichsel.

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Achtung: In Polen wird es früher dunkel als in Deutschland. Aber mindeszens genauso schön. Foto: kawe

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Romantisch. Foto: kawe

9. Hotel Kopernikus – Promis unter einem Dach

Fünf-Sterne-Hotels gibt es auch in Polen – und auch wahre Berühmtheiten besuchen diese Stadt. Nikolaus Kopernikus selbst hat in dem Gebäude gewohnt, in dem sich heute das Hotel befindet. Außerdem nahmen es unter anderen George Bush, Prince Charles, Adam Lambert und Kim Cattrall (Sex and the City) in Anspruch. Wenn das nicht ein Grund ist, der Sauna, dem Pool und einem der Zimmer im Hotel Kopernikus einen Besuch abzustatten, ist das ein Grund: Auch ich habe hier übernachtet! 😉

10. Wahre polnische Kultur kennenlernen: im Dorf

Die wahre Gastfreundschaft der Polen erlebt man in den privaten vier Wänden. Wenn Du also irgendwie die Möglichkeit hast, einer polnischen Familie einen Besuch abzustatten – dann tue es unbedingt. Es lohnt sich! Du wirst mit leckeren Speisen eingedeckt, bekommst Deine Wünsche von den Lippen abgelesen und ein kuscheliges, warmes Bett. Nichts geht über die Freundlichkeit und Gastfreundschaft der Polen. Nichts.

Und, immer noch nicht genug Tipps für Krakau? Dann schreib mir gerne – ich habe noch einige Horrorstorys über jugendliche Mörder in petto. Oder auch weitere Museen, Kirchen und polnische Mahlzeiten, die ich empfehlen kann. Krakau – aufregender geht Polen kaum.

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2 Gedanken zu “Krakau: Gut, günstig und geschichtlich – 10 Tipps für die heimliche Hauptstadt Polens

  1. Hey,

    das ist ein wirklich guter und informativer Beitrag über Krakau den man auf jeden Fall weiter empfehlen kann.
    Jedoch muss ich zugeben, dass ich die Stuhl-Installation nicht so beeindruckend fand. Und auch das Museum zur Schindlers Fabrik fand ich mehr visuell überzogen aufgearbeitet anstatt informativ. Trotzdem würde ich ebenfalls empfehlen dorthin zu gehen.

    Liebe Grüße
    Proletensohn.

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