Holocaust=Yolocaust? Wo bleibt der Respekt?

Wie verhalte ich mich bei besonderen Gedenkstätten? Darüber habe ich mir in letzter Zeit Gedanken gemacht, da ich kommende Woche ins Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau fahre – und bin dabei auf ein Projekt gestoßen, das zeigen will, wie es nicht geht: YOLOCAUST von dem Israeli Shahak Shapira.

Man spürt den Tod, wenn man auf dem „Platz der Ghettohelden“ in Krakau steht. Leere Stühle symbolisieren den Tod von Millionen von Juden. Ich spüre die Traurigkeit in mir hochkommen – als ich plötzlich eine Frau beobachte: Die sich auf einem der Stühle fast lasziv räkelt, lacht, herumhampelt. An so einem Ort? Wie kann sie das nur tun?

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Platz der Ghettohelden. Foto: kawe

Dann erinnere ich mich beschämt daran zurück, als ich mit etwa 15, 16 Jahren beim Holocaust-Mahnmal in Berlin war und mich an einen der Steine gelehnt und ein Foto gemacht habe. Ich habe nicht herumgeturnt, habe keine Grimasse geschnitten. Aber schlecht fühle ich mich heute trotzdem – weil ich einfach nicht wusste, wie ich damit umgehen soll. Und mich nicht genügend über die Bedeutung des Denkmals informiert habe. Heute würde ich mich anders verhalten.

Denn wir müssen nicht die Gesellschaft sein, die an jedem Ort Selfies macht, wunderschön aussieht und sich zur Schau stellt.

Shahak Shapira will das mit seinem Projekt zeigen. Natürlich ist es schwierig, zu wissen, wie man sich an solchen denkwürdigen Denkmälern verhalten soll. Und vermutlich gibt es auch kein richtiges Verhalten – aber es gibt Verhalten, das man nicht an den Tag bringen sollte. Zum Beispiel „witzige“ Fotos mit dem Untertitel „Auf toten Juden springen“. Das ist alles andere als respektvoll.

Das Problem ist wohl, dass viele Menschen sich einfach nicht vorstellen können, wie grauenhaft die Taten an den Juden im Zweiten Weltkrieg waren. Dass viele Menschen sich nicht ausmalen, wie grausam diese Zeit war.

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Ausstellung in „Schindlers Fabrik“ in Krakau. Foto: kawe

Als jemand mal zu mir sagte „Geh ins KZ zurück, da wo du herkommst“, war ich schockiert. Auf meine polnischen Wurzeln anzuspielen und Witze zu machen, normalerweise ok. Aber nicht so eine Art von Witz – das ist alles andere als witzig und einfach nur erschreckend.

Viele Menschen wissen wohl nicht, wie sie mit solchen Dingen umgehen sollen. Einige Herangehensweisen sind aber einfach nicht akzeptabel.

Wichtig ist, dass wir nicht vergessen, was passiert ist. Dass wir nicht vergessen, dass es gar nicht mal so lange her ist, dass eine Glaubensgruppe so diskriminiert, gefoltert und ermordet wurde. 

Fotos von solchen Orten zu machen, finde ich persönlich vollkommen in Ordnung. Es fördert die eigene Erinnerung, wenn man sich die Fotos später nochmal anschaut. Mal durch das Bild zu laufen, geht vielleicht auch. Je nachdem, was an dem jeweiligen Ort passiert ist.

Insgesamt kann man keine klaren Regeln fassen, was erlaubt ist –  und was nicht. Was genug Respekt zollt – und was nicht. Jeder muss sich danach selbst noch im Spiegel anschauen können.

Dennoch hier meine Empfehlung für solche denkwürdigen Orte: Informiere Dich detailliert darüber, was das Denkmal aussagt. Fehler begehen ist menschlich, einige aber nicht so leicht verzeihlich. Bevor Du also „auf toten Juden rumspringst“ oder auf „Deutschen Gangster“ zwischen symbolischen Gräbern machst – informiere Dich über die Geschichte hinter der vielleicht „so schönen“ Fassade des Denkmals.

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