Für uns Geschichte, für andere Realität: Auschwitz-Birkenau

Vergessen. Für Menschen mit Demenz das Schrecklichste, was passieren kann.

Vergessen. Für Menschen, deren Leben ein Chaos ist, pure Verzweiflung.

Vergessen. Für Menschen, die wichtige Daten vergessen, eine Zerreißprobe für die Beziehung.

Vergessen. Für Zeitzeugen, die Auschwitz erlebt haben, ein Schlag ins Gesicht.

Es gibt deutsche Politiker, die fordern, dass wir unsere „dämliche Erinnerungspolitik“ um 180 Grad wenden sollen. Nicht an die negativen Teile unserer Geschichte denken, sondern an die positiven. Doch wovon lernen wir mehr: von positiven oder von negativen Erfahrungen?

Die Deutschen, die heute leben, sind zum größten Teil nicht Schuld daran, was ihre Vorfahren getan haben. Wie sie Menschen menschenunwürdig behandelt haben. Schrecklicher als Tiere. Dennoch gehört es zur deutschen Geschichte, sich bewusst zu machen, dass grausame Dinge geschehen sind. Dass grausame Dinge wieder geschehen können, wenn wir aus unserer Geschichte nicht lernen.

Das Auswärtige Amt vermeldet momentan „KZ-ähnliche Verhältnisse“ in Libyen. Folter, Vergewaltigungen, Erschießungen – nur wenige Punkte, die in Flüchtlingscamps auf der Tagesordnung stehen. Das Schlimme hier: Wir wissen davon, und tun nichts.

Natürlich kann ich als Studentin nicht einfach nach Libyen gehen und sagen „Hey, hört auf damit“. Das kann man von uns Kleinbürgern nicht verlangen, weil es einfach unrealistisch ist.

Aber warum tun die Politiker nichts? Seit langem soll es „Gespräche“ über Lösungen geben. Konkrete Ansätze sind aber nicht bekannt.

Denn solange es uns gut geht, ist alles in Ordnung. Solange wir glücklich und sicher sind, vergessen wir häufig, dass es anderen Menschen weniger gut geht.

Wir müssen nicht jeden Tag an alle schrecklichen Dinge denken, die auf der Welt passieren – sonst wäre unser Leben auch nicht lebenswert. Wir müssen die schönen Dinge im Leben sehen. Leben, lieben, lachen. Uns aber auch bewusst sein, dass es nicht jeder so gut hat. Dass nicht jeder das Glück hat, behütet zu leben. Gelebt zu haben. Dass es in der Geschichte, der Gegenwart und leider auch in der Zukunft zu grausamen Ereignissen kommen wird. Und wenn wir vergessen, welche grausamen Ereignisse bereits passiert sind, werden sie sich genauso wiederholen können.

 

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