Karibik – die Armut im Paradies

Weißer Sandstrand, türkisblauer Ozean, Milch aus Kokosnüssen schlürfen unter einer Bananenpalme – so stellen wir uns die Karibik vor. Das Paradies auf Erden. Genau so präsentierte sich mir die Dominikanische Republik. Doch hinter all der Schönheit, hinter als dem Luxus verbirgt sich die Realität. Und diese sieht Armut, harte Arbeit und ein unverständliches Frauenbild. Und mitten drin doch so viel Lebensfreude.

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Hallo, Paradies. 

Zwei Wochen Karibik, 5 Sterne Hotel, Essen en masse, Trinken en masse, Paradies pur. Schon immer wollte ich ins Paradies – und die Dominikanische Republik ist wirklich eines. Die Strände sind wunderschön, keine Postkarte, kein Foto können sie wirklich beschreiben. Und dennoch kann ich nicht jede Sekunde, nicht jede Minute meines Urlaubs genießen. Denn die Armut der Menschen lässt sich vielleicht im Hotel so gut es geht verstecken, doch wenn man genau hinschaut, siehst du sie immer.

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In einer Zigarrenmanufaktur. Foto: kawe

Verwitterte Häuser und abgemagerte Pferde

Gerade als ich über die Halbinsel Samaná fahre, sehe ich, was ich zuvor nur gelesen habe. Jeder vierte, fünfte Dominikaner soll hungern, und die Häuser, an denen ich vorbei fahre sehen nicht bewohnbar aus. Eine Familie von vielleicht fünf, sechs Leuten lebt in einem winzigen Haus ohne Fenster und Türen, einem provisorischen, mehr als halb kaputten Dach. Die meisten Dominikaner sitzen vor den „Häusern“, reden oder schauen nur so vor sich her.

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Palmenparadies. Foto: kawe

Einmal reite ich auf einem Pferd durch den Regenwald – ein einmaliges Erlebnis. Ich habe etwas Angst, dass mich das wirklich abgemagerte Pferd gar nicht tragen kann. Ich habe das Gefühl, dass ich mehr wiege als dieses arme Ding, auf dessen Rücken ich insgesamt drei Stunden reiten werde – natürlich begleitet von einem Dominikaner, der das arme Tier immer wieder in die richtige Richtung lenken soll. Der Dominikaner ist sehr nett, versucht immer wieder in gebrochenem Englisch ein Gespräch mit mir anzufangen. Auch er ist sehr dünn, auch er sieht eher arm aus. Was mir missfällt, ist, dass er das dünne Pferd immer wieder auspeitscht, manchmal mit einem Stein schlägt. Ich frage mich, ob das wirklich notwendig ist…

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Der dominikanische Regenwald. Foto: kawe

Dennoch unterhalten wir uns ganz gut, der Dominikaner ist wirklich nett und ich überlege mir, ihm am Ende unseres Ausritts auch ein wenig Trinkgeld zu geben – bis er es selbst einfordert. „10 Dollar tip is okay? Yes. For me and for horse“, sagt er in seinem gebrochenen Englisch. Auf einmal finde ich das sehr fordernd, zumal ich wirklich viel für diesen Ausflug gezahlt habe. Hätte er nicht so aufdringlich gefragt, hätte ich ihm sicher ein ganz gutes Trinkgeld gegeben. Seinen Job hat er gut gemacht, aber ein festes Geld zu verlangen, finde ich doch etwas komisch… Andererseits weiß ich nicht, wie er lebt, wie nötig er das Geld hat. Ich bin hin- und hergerissen.

Acht-Stunden-Tag? Ein Wunschtraum

Immer wieder sehe ich Menschen, Kellner, Reinigungskräfte, Rezeptionisten, Animateure, denen ich gerne Trinkgeld geben würde – sie arbeiten so viele Stunden am Tag, sie arbeiten so fleißig und konsequent – und ich lege den ganzen Tag die Beine hoch, arbeite an meiner Vollmilch-Schoko-Bräune (die ich natürlich niemals erreichen werde) und schlage mir den Magen voll. Von dem Paradies, dass ich erlebe, haben die Menschen hier nicht viel. Ein Animateur, mit dem ich häufiger mal rede, erzählt mir, dass er morgens um 10 Uhr seinen Dienst beginnt – und nachts bis zwei oder drei Uhr arbeitet. Und ich bin nach meinen acht, neun Stunden Arbeit schon platt.

 

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Foto: kawe

 

Während meiner Fahrt über die Insel Samaná sehe ich immer wieder junge Mädchen mit deutlich älteren Männern, kuschelnd, turtelnd.

Das Frauenverständnis scheint ein anderes zu sein. Unser Reiseführer erzählt, dass er nur alle paar Monate seine Frau sieht, erzählt, dass die europäischen Frauen so viel schöner sind und dass die dominikanischen Frauen gar nicht schön sind – was ich absolut nicht bestätigen kann. Die Frauen haben wunderschöne weibliche Figuren, die europäischen und amerikanischen Männer können sich kaum satt sehen an ihren Rundungen. Und auch ich muss immer wieder auf die wohlgeformten Hintern schauen, von denen man(n) kaum seinen Blick wenden kann.

Als weiße Frau in der Karibik

Gefühlt jeder dominikanische Mann flirtet mit mir, möchte meine Nummer – oder eben eine schnelle Nummer. Na klar, eine große, weiße und dazu noch blonde Frau ist etwas Besonderes für sie. Dennoch ist es nicht immer schmeichelhaft, dauernd solche „Avancen“ gemacht zu bekommen.

Die Dominikanische Republik gilt als sehr katholisches Land, gleichzeitig ist es nicht unüblich, dass Männer mehrere Frauen haben. Die Männer verführen, machen Komplimente. Sie scheinen zu wissen, was sie sie wollen: eine Abwechslung zu dem Stress der harten Arbeit im heißen Paradies.

Mamajuana gefällig?

 

Zwischen all der harten Arbeit, all der Armut, und all dem Stress, dem diese Menschen täglich zweifelsohne ausgesetzt sein müssen, sehe ich eines immer wieder: funkelnde Augen, ehrliches Lächeln, kreisende Hüften. Die Dominikaner strahlen ein unglaubliches Lebensgefühl aus. Die Kellner tanzen, singen und pfeifen den ganzen Tag über vergnügt herum. Sie genießen ihr Leben, denn sie wissen, sie haben es gut. Sie haben Arbeit, sie leben im Paradies – auch wenn sie es nicht tagtäglich sehen, sondern eher die verschmutzten Teller und versnobten Gäste (nicht wir, wir sind natürlich die raren Bodenständigen 😉 ).

Die Dominikaner zeigen mir, was es bedeutet, mit dem glücklich zu sein, was man hat. Glücklich über das Leben. Nicht nur mit einem Schlückchen hochprozentigem Mamajuana – aber auch 😉 .

Lust, auf noch mehr Natur? Dann schau doch mal in meinen Beitrag über Kroatien rein.

 

 

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