Über Hakenkreuze, Synagogen und Zuckerschocks in Prag

Prag ist eine besondere Stadt. Eine Stadt, die ich unterschätzt habe. Eine Stadt, die Wunderschönes, aber auch Erschreckendes zu bieten hat. Meine Eindrücke der Goldenen Stadt.

7 Fragen und Antworten

Was solltest Du Dir anschauen?

Tipp Nummer 1: Du solltest tatsächlich einfach mal durch die Altstadt schlendern. Es gibt so viele wunderschöne Gebäude im romanischen, gotischen sowie Jugendstil.

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Am Altstädter Ring. Foto: J. S.

Tipp Nummer 2: Schlenderst Du Richtung Karlsbrücke, kannst Du rechter Hand das jüdische Viertel bewundern. Auch hier reihen sich bunte Altbauten aneinander, zudem kannst Du Dir den jüdischen Friedhof sowie verschiedene Synagogen anschauen. Der Friedhof sowie einige Synagogen kosten Eintritt, aber – Achtung! – ein Extratipp: Wenn Du den Friedhof sehen möchtest, gehe einfach einmal um ihn herum, an einer Mauer gibt es eine Tür mit einem kleinen Fensterchen, durch den Du den ganzen Friedhof sehen kannst. Schauen kostet hier nichts! 😉

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Im jüdischen Viertel. Foto: kawe

Und wenn wir schon gleich beim Thema Juden sind: Die Jerusalemsynagoge ist ein Traum! Sie befindet sich in der Nähe des Hauptbahnhofs, ist kunterbunt und ich fühlte mich nicht mehr, als wäre ich in Prag, sondern in einem orientalischen Land – wahrscheinlich wegen der besonderen Architektur und der knalligen Farben. Leider war die Synagoge geschlossen, als wir da waren, aber allein von außen war sie einen Besuch wert!

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Kunterbunt! Foto: kawe

Tipp Nummer 3: Wer schon einige Blogeinträge von mir gelesen hat, weiß, wie sehr ich Ausblicke über die gesamte Stadt liebe – und die gibt es in Prag en masse. Gehst Du beispielsweise vom Kloster Strahov den Hügel Richtung Karlsbrücke herunter, erstreckt sich die gesamte Hauptstadt vor Dir – ein Traum!

Einen weiteren wunderbaren Ausblick hast Du vom Letná Park. Hier kannst Du einige Minuten lang auf dem Hügel spazieren gehen und den Ausblick über die Moldau auf die Prager Altstadt und die zahlreichen Brücken genießen.

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Das Reise-Dreamteam! Foto: Ein zufällig vorbeigekommener Touri

Wenn Du im Letná Park nur lange genug läufst, kommst Du zur Prager Burg, von dessen Vorplatz Du auch einen weiten Blick über die Stadt hast.

Last but not least ist der Ausblick vom Turm des Klosters Clementinum. Hier kannst Du allerdings nur hoch, wenn Du eine Tour gebucht hast – zu der Tour später mehr!

 Tipp Nummer 4: Die Karlsbrücke darf bei deinem Prag-Trip nicht fehlen, ist tagsüber aber leider rappelvoll. Am Anfang habe ich den Hype um diese Brücke überhaupt nicht verstanden, weil der ganze Flair durch die vielen Leute kaputt geht. Als wir am Neujahrsmorgen gegen 10 Uhr allerdings über die Brücke spazierten, war es ganz anders. Wir hatten einen tollen Blick auf die andere Seite der Stadt, konnten schöne Fotos ohne tausende Touristen schießen und den Blick über die Moldau genießen.

Wenn wir schon beim Thema Karlsbrücke und Moldau sind: Der Sonnenuntergang an der Moldau ist wunderschön! Ganz zufällig waren wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort und sahen einen tiefroten Sonnenuntergang. Die Sonne schmolz geradezu in die Moldau hinein – wow wow wow!

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So wunderschön war es! Foto: kawe

Zudem ist das Feuerwerk an Silvester von der Karlsbrücke einfach wunderschön. Zunächst wollten wir auf keinen Fall um 0 Uhr auf die Brücke, da wir die Menschenmassen fürchteten – und es war um diese Uhrzeit leider auch eine einzige, riesige Menschenmasse. Allerdings fiel uns kein besserer Platz zum Anschauen des Feuerwerks ein. Da wir schon um etwa 23 Uhr da waren, konnten wir uns aber einen Platz am Rande der Brücke sichern und hatten dann einen atemberaubenden Blick (das ist keine Übertreibung!) auf das Feuerwerk. Wir hatten Glück, denn genau über uns gab es ein kunterbuntes, blitzendes Feuerwerk, das ein Boot von der Moldau abfeuerte. Note: 1+!

Tipp Nummer 5:Wenn Du auf der anderen Seite der Karlsbrücke bist, kannst Du wunderschöne kleine Altbauten sehen, kleine, altmodische Restaurants entdecken und den Berg zur Prager Burg hochlaufen.

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Foto: kawe

Auf dieser Seite der Stadt findest Du auch die „kleinste Gasse der Welt“. Die Gasse ist so eng, dass immer nur eine Person durchpasst, sodass es an beiden Enden Ampeln gibt, die den „Menschenverkehr“ regeln. Aber Achtung: Zu viel darfst Du nicht wiegen, sonst passt Du leider nicht durch!

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Achtung, Diskriminierung von fülligen Personen… Foto: kawe

Tipp Nummer 6: Der Veitsdom an der Prager Burg! Er kostet zwar Eintritt (wir haben insgesamt etwa 7 Euro für einige Eintritte an der Prager Burg gezahlt – dazu später mehr), es lohnt sich aber auf jeden Fall. Der Dom ist riesig, die Kirchenfenster sind sehr schön, bunt und detailreich, und auch einige Steinmonumente und goldene Elemente sind sehenswert.

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Foto: kawe

Wobei solltest Du erst einmal zögern?

Meine Freundin Jenny und ich sind Bücher- und Harry Potter-Fans und wollten uns deswegen die legendäre Prager Bibliothek im Kloster Clementinum anschauen. Der Eintritt kostet allerdings etwa sechs Euro (ermäßigt) plus 45-minütige-Zwangsführung. Die Führung war leider etwas informationslos, die Infos über Astronomie hätten wir uns auch auf Wikipedia durchlesen können. Zudem mussten wir um 10 Uhr zum Ticketshop, da es keine Möglichkeit gibt, die Karten am Tag zuvor oder online zu kaufen (außer bei großen Gruppen). Die Bibliothek war allerdings wirklich sehr schön (Fotos knipsen verboten!), der Ausblick vom Astronomie-Turm auch. Eine Alternative ist die Bibliothek im Kloster Strahov. Hier kostet der Eintritt nur etwa zwei Euro (ermäßigt) – hatten wir allerdings zu spät entdeckt.

Zweimal überlegen solltest Du Dir auch den Eintritt zur Prager Burg. Es gibt verschiedene Preisklassen, je mehr Du zahlst, desto mehr darfst Du Dir anschauen. Wir hatten uns für das Sieben-Euro-Ticket (ermäßigt) entschieden, und durften uns somit den Veitsdom, das Goldene Gässchen und die „Paläste“ anschauen. Der Rosenbergpalast ist allerdings nur eine kleine Ausstellung, der Alte Königliche Palast auch eher klein und nicht sehr prunkvoll. Wir fanden es insgesamt schon sehenswert, allerdings auch relativ teuer.

Was solltest Du unbedingt Essen?

Trdelnik, auch als Baumstriezel bekannt. Das Gebäck kommt zwar traditionell aus der Slowakei, Du kannst es aber praktisch überall in Prag kaufen. Der Hefeteig wird auf Stöcken gebacken und mit Zimt, Zucker, Mandeln oder Ähnlichem bestreut. Ich habe die Kalorienbombe mit unfassbar viel Sahne und Nutella gefüllt plus Zucker genossen und habe danach praktisch einen Zuckerschock erlebt. Es lohnt sich aber! In vier Tagen habe ich drei Trdelniks gegessen! Mhmmm! (So viel zu meinen Vorsätzen, mich im neuen Jahr gesünder zu ernähren und abzunehmen 😉 ).

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Foto: kawe

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Foto: kawe

Ps.: Wir haben ungefähr vier Tage gebraucht, um das Gebäck halbwegs richtig auszusprechen. Wir nennen es jetzt Trdelniiik – ist das richtig? 😀

Was war ein einzigartiges Erlebnis?

Hamleys! Das ist ein verrückter, kunterbunter, spaßiger und unglaublich wunderbarer, toller Spielzeugladen in der Nähe des Wenzelplatzes! Entschuldige für die vielen Euphemismen, aber die eins, zwei Stündchen, die wir dort verbrachten, waren einfach UNGLAUBLICH. Puuh, mein Herz klopft beim Schreiben dieser Zeilen wieder voller Freude…

Der Laden hat riesige Teddybären, Spiegel, in denen ich noch schlanker aussehe als ein Topmodel, riesige Keybords, auf denen Du mit den Füßen drauftreten und Lieder spielen kannst, einen „Alice im Wunderland“-Raum, eine riesige Rutsche, die Du herunterrutschen kannst (Vorsicht, unglaublich schnell und unglaubliche Herzinfarkt-Gefahr!), glitzernden Zaubersand (er zergeht einfach in deiner Hand!), und und und… Du siehst, ich bin immer noch begeistert. Ich will wieder zurück. Sofort! Und das Beste an allem? Die Sachen kosten zwar einen Haufen Geld, ausprobieren kannst Du sie aber kostenlos! 😉

Was war ein erschreckendes Erlebnis?

Der Flohmarkt „U Elektry“. Hier wurden nämlich Nazi-Pokale, Armbinden mit Hakenkreuzen und Feuerzeuge mit Hakenkreuz verkauft! Als mich meine Freundin darauf hinwies, lief es mir eiskalt über den Rücken und als sich auch noch ein italienischer Tourist über den Preis des Feuerzeugs erkundigte, bekam ich eine Gänsehaut. Wer verkauft so etwas UND wer ist an solchen Symbolen interessiert…?

Praktische Tipps:

Wie kam ich nach Prag?

Wir sind mit der Deutschen Bahn von Frankfurt am Main nach Nürnberg gefahren und von dort aus mit dem IC Bus (ebenfalls von der Deutschen Bahn) nach Prag gefahren. Die Reise verlief reibungslos, der IC Bus war sehr komfortabel. Kaum zu glauben, dass wir sogar vor der geplanten Uhrzeit in Prag ankamen – und das mit der Deutschen Bahn!

Dauer: unter 6 Stunden
Preis: 53 Euro
Extra-Tipp: Ich habe die Rückreise mit der Bahn bis Mainz gebucht, bin aber schon in Frankfurt ausgestiegen. Nach Mainz war das Ticket günstiger als nach Frankfurt, obwohl die Fahrt länger dauert. Rumpobieren lohnt sich also. Die DB ist ein Mysterium!

Wo habe ich übernachtet und was würde ich empfehlen?

Wenn Du jung und unerschrocken bist, würde ich Dir ein Hostel empfehlen. Da gibt es wirklich einige günstige in Prag. Wir haben im Hostel Ananas direkt in der Altstadt übernachtet. Das Hostel ist sauber (Halleluja, ich wurde endlich mal nicht von Bettwanzen gebissen!) und an sich ruhig. Wir hatten allerdings etwas Pech mit unseren Zimmergenossen. Ein Inder schnarchte so laut wie ein Akkubohrer, vier deutsche Jungs waren so betrunken, dass sie um 5 Uhr morgens herumgrölten, und zwei deutsche Mädels so gut dabei, dass sie nachts mit ihren leuchtenden Handys in der Hand ihre Handys suchten… Eine richtige Küche gab es in dem Hostel auch nicht, allerdings einen Kühlschrank, einen Wasserkocher, Geschirr und Besteck sowie kostenlosen Kaffee und Tee. Wir waren alles in allem zufrieden.

Preis: etwa 115 Euro für drei Nächte im 10er-Zimmer (Beachte den Zeitraum: Wochenende plus Silvester)

Hast Du noch mehr Tipps für Prag, eigene, skurrile Erfahrungen gemacht oder weitere Tipps für einen Urlaub in Tschechien? Dann schreib mir doch eine E-Mail oder hinterlasse einen Kommentar. Ich freue mich drauf! 🙂

Herzliche Grüße,

Deine Kate

profilfoto

Foto: J. S.  

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6 Gedanken zu “Über Hakenkreuze, Synagogen und Zuckerschocks in Prag

  1. Wir waren vor ein paar Jahren eine Woche in Prag und es hat uns auch sehr gut gefallen. Im jüdischen Viertel gab es ein Museum in der nähe eines Kafka-Denkmals, habe den Namen vergessen, das war sehr intereressant. Vom Hügel am Veitsdom hat man auch einen sehr schönen Blick. In jedem Fall ist Prag mehr als eine Reise wert. Danke für die Bilder

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