Wie ich mit Berlin Schluss machte

Liebes Berlin,

es liegt nicht an Dir, es liegt an mir. Ja, dieser Spruch passt gerade einfach perfekt – so abgedroschen er auch klingen mag. Denn ich habe schon mit Dir Schluss gemacht, bevor ich über einen Monat mit Dir zusammen war. Ich fand Dich nämlich schon immer ziemlich scheiße. Dreckig, hässlich und erst die inneren Werte: Du nimmst einen Haufen Drogen, bist ein Möchtegern-Hipster und „ach-so-modebewusst“. Deine Arroganz und Dein „Ich bin ein Berliner, ich bin was Besseres“-Getue gingen mir schon immer auf meinen nicht vorhandenen Sack…

Als ich mich am 3. Februar dann doch dazu erbarmt habe, Dir eine Chance zu geben, hast Du mich überrascht. Ich habe mich gegen die in mir aufkommenden Gefühle gewehrt. Ich wollte nicht anfangen, Dich zu mögen. Wirklich nicht. Alles an Dir hat mich genervt. Dieses „Cool-Sein“, dieses Yolo-Getue. Einfach nerv tötend.

Aber Du hast mir keine andere Wahl gegeben. Du hast mich von Dir überzeugt. Auch wenn ich es nicht wollte. So gar nicht. Hartnäckig hast Du mir deine schönen Seiten gezeigt und ich muss jetzt ehrlich sagen: Ich mag Dich. Wirklich. Kaum vorzustellen, aber es ist wahr.

Du bist nicht so schlimm, wie ich dachte. Klar hast Du auch negative Seiten. Die Arroganz ist auch immer noch da. Aber wenn wir ehrlich sind, ist Deine Vielseitigkeit doch gerade das, was Dich so einzigartig macht. Es gibt so viele Charaktereigenschaften, die Du verkörperst, dass jeder etwas an Dir findet, was ihn anspricht. Ob es die ehrgeizigen Journalisten sind, die hippen Start-Up-Mitarbeiter, die modebewusste junge Frau oder der verrückte Drogenjunkie. Jeder kommt mit Dir klar und jeder kann sich bei Dir geborgen fühlen. Du bietest so viele Möglichkeiten, man selbst zu sein und sich nicht verstellen zu müssen. Bei Dir kann ich ich sein.

Mit Dir kann ich auf verrückte Partys gehen, aber auch eine leckere heiße Schokolade trinken und mal einen Sonntagnachmittag nichts tun. Du setzt mich nicht unter Druck. Am Anfang dachte ich, wir müssten so viel miteinander erleben, jeden Tag auf Achse sein. Doch wir genießen die Zeit auch, wenn wir mal im Bett liegen bleiben und nichts tun.

Auch meine Freunde sind begeistert, wenn sie Dich treffen. Okay, ehrlich gesagt fanden sie Dich von Anfang an ziemlich cool. Deinen Modegeschmack, Dein Wissen über Geschichte. Sie waren schon immer Feuer und Flamme und konnten nicht verstehen, warum ich nichts mit Dir anfangen kann. Und nichts mit Dir anfangen will.

Aber gut, Du hast mich überzeugt. Du hast mich verführt. Du hast mich um den Verstand gebracht. Ich kapituliere.

Und das zu einem unmöglichen Zeitpunkt… Ich mag Dich sehr gerne, doch jetzt muss ich Dich verlassen. Die Zeit, die wir miteinander hatten, war wunderbar. Ich habe mich leicht gefühlt, glücklich, frei. Ich habe mich ausprobiert, Abenteuer mit Dir erlebt.

Jetzt muss ich Dich aber zurücklassen – auch wenn Du das vielleicht nicht verstehen kannst. Manchmal sind Gefühle unergründlich.

Ich weiß nicht, wann wir uns wieder sehen, aber ich weiß, dass ich Dich wirklich gerne habe. Wir hatten eine wunderbare Zeit und ich danke Dir dafür. Ich bin jung, ich will noch einiges erleben. Und dafür muss ich nochmal fort. Vielleicht sehen wir uns bald wieder, vielleicht nie wieder. Ich weiß es nicht. Es liegt nicht an Dir, es liegt an mir. Mal wieder.

In Liebe,

Kathrin – für dich aber immer Kate ❤

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2 Gedanken zu “Wie ich mit Berlin Schluss machte

  1. Als in der dritten Generatinion geborener Berliner sage ich Danke, Danke Danke!
    Als in der dritten Generatinion geborener Berliner sage ich, die Stadt stinkt, sie ist in den letzten Jahren unglaublich laut geworden, eine extreme Großschnauze, die keiner mehr ernst nimmt, die an vielen Stellen zerfällt, ohne Charme, die versucht, sich neu zu erfinden, aber Nix zu Ende bekommt. Nicht nur den Flughafen. Trotzdem Danke ;))
    P.S.: Ab einem gewissen Alter geht kein Partyleben mehr, dann zieht es den Berliner ans Meer, schon immer. ;))

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