Die Blondine als Objekt in Molenbeek – #metoo

Das Wort „Molenbeek“ kommt dir bestimmt bekannt vor. Woher? Der kleine Vorort Brüssels ist als Islamistenhochburg bekannt. Der einzige überlebende Pariser Attentäter ist zum Beispiel hier aufgewachsen, die Brüsseler Attentäter lebten hier auch einige Zeit. Klingelt es bei dir? Schön. Zurzeit wohne ich in Molenbeek, für einen Monat. Wie ich es hier als Frau finde? Weniger schön.

Erst mal kurz zu mir: Ich bin eigentlich eine recht selbstbewusste Frau. Macht mich ein Mann dumm von der Seite an, fällt es mir in der Regel nicht schwer, einen flotten Spruch nachzulegen.

In einigen Fällen sollten Frauen meiner Meinung nach einfach lernen, selbstbewusster zu sein. Den Mund aufzumachen. Und nicht erst nach fünf Jahren.

Aber in Molenbeek fühle selbst ich mich unwohl.

Erst mal kurz zu Molenbeek: Molenbeek ist eine der Gemeinden der Region Brüssel. Molenbeek gilt als Islamistenhochburg. Die Attentäter von Brüssel sowie Verantwortliche der Pariser Anschläge wohnten zeitweise hier.

In Molenbeek bin ich ein Objekt

Wenn ich durch Molenbeek laufe, fühle ich mich aber nicht wegen der vermeintlichen Islamistengefahr unsicher.

Die Bewohner hier sind hauptsächlich marokkanische Muslime. Mit einer solchen Umgebung habe ich normalerweise kein Problem. Ob meine Nachbarn Muslime, Christen oder Atheisten sind, ist mir egal. Sind ja alles nur Menschen.

Wenn man mal Frauen in Molenbeek sieht, tragen sie meist Kopftücher. Wenn man sie mal sieht.

Denn meistens sieht man nur Männer in Molenbeek. In den Cafés sitzen sie am Straßenrand und plaudern gesellig. An die Häuserwände gelehnt lachen sie miteinander. Bis ich vorbeilaufe. Schnell verstummen sie. Starren mich an. Gieren mich an.

„Tu es très jolie“ oder „magnifique“ sind die harmlosen Sprüche. „Sexy girl“, wispern sie auch manchmal. Schnell gehe ich weiter, schaue grimmig. Ob das was bringt? Bestimmt nicht.

Joggen in Molenbeek

Einmal bin ich joggen gegangen. Es waren 25 Grad, ich trug ein Top und eine kurze Hose. Falsche Entscheidung, denken jetzt vielleicht viele. Aber warum? Ich bin in Europa, es ist verdammt warm, und ich mache Sport. Darf ich dann nichts Kurzes tragen?

Das Joggen ist natürlich unangenehm. Die Männer starren, als hätten sie noch nie eine Frau gesehen. Manche starren nur, andere pfeifen. Sobald das passiert, renne ich schneller. Es ist einfach unangenehm.

Eine Woche später gehe ich wieder joggen, diesmal mit langer Hose. Der Unterschied? Es gibt keinen. Die Männer verhalten sich genauso.

Nachts ist es nicht anders. Es ist dunkel, ich laufe nachhause. Männer drehen sich nach mir um, schauen mir hinterher. Es ist egal, wie ich aussehe, was ich trage – wichtig ist, dass ich eine Frau bin.

Einmal sind eine Freundin und ich zusammen nachhause gelaufen. Ein Typ lief uns hinterher – wir versteckten uns im Café. Ein paar Minuten später wollten wir weiter, er wartete scheinbar auf uns. Wir blieben noch einige Zeit im Café, bis er wirklich weg war. Dann gingen wir so schnell es geing nachhause.

Was ist, wenn doch mal was passiert?

In der Regel gebe ich auf dumme Anmachen nichts. Mulmig ist mir hier aber immer. Klar, bei solchen dummen Sprüchen kann man immer auf Durchzug schalten und straight nachhause gehen. Die Frage ist nur: Was ist, wenn doch mal mehr passiert als ein dummer Spruch? Es reicht ja, wenn es „nur“ einmal passiert.

Auf die Sprüche und das Starren etwas zu antworten, traue ich mich nicht. Ein kecker Spruch könnte falsch aufgenommen werden, fürchte ich. Das einzige, was ich tun kann: Mit geradem Rücken und selbstbewusstem schnellen Schritt nachhause laufen. Am besten mit Dutt. Denn je mehr ich von meinen blonden Locken zeige, desto schlimmer scheint es zu sein. Also einfach schnell nachhause gehen und hoffen, dass nichts passiert. In Molenbeek.

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