Warum es gut ist, sein Gepäck zu verlieren und Kakerlaken im Zimmer zu haben

Wenn was schief geht, kann ich nicht weit sein. Ob verlorenes Gepäck, Kakerlaken auf den Füßen oder ein nicht bremsendes Fahrrad – meine Rundreise in Costa Rica hatte immer eine Überraschung für mich parat. Und trotzdem habe ich diesen Erlebnissen immer etwas Positives abgewinnen können. Stay positive eben.

1) Drei Gründe, warum temporär verlorenes Gepäck auch gute Seiten hat

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Wer braucht schon Gepäck für gute Laune? Foto: J. F.

Nichts ist schöner, als nach zwei Mal umsteigen und 18-stündiger Reise endlich an seinem Reiseziel anzukommen. Costa Rica – Sonne, Strand, Natur und Meer. Vollkommen verschwitzt und ausgelaugt warten meine Freundin Jaqueline und ich am Kofferband in San José  auf unser Gepäck.

Natürlich bekommen erst alle anderen das Gepäck – so wie man auch immer an der Kasse in der Warteschlange steht, die am langsamsten vorankommt. Aber dann bleibt das Gepäckband stehen. Und es kommen keine Koffer, keine Surfbretter und auch keine Backpacker-Rucksäcke mehr an. Denn: Unsere Rucksäcke sind auf dem Flug von Frankfurt über Madrid und Panama City nicht in San José ankommen. Wundert es mich? Natürlich nicht. Mir muss sowas ja immer passieren.

Reiseroute ändern? Niemals!

„Wir wissen nicht, wo Ihr Gepäck ist“, sagt der Mitarbeiter von Copa Airlines am Flughafen. „Es tut mir Leid. Wir tun unser Bestes und hoffen, dass Sie Ihr Gepäck in drei, vier Tagen wieder bekommen.“ Falls die Airline es wieder findet…

Super, denke ich. Wir haben natürlich keine Wechselkleidung, nicht mal frische Unterwäsche im Handgepäck. Außerdem ist unsere Rundreise durch Costa Rica ziemlich durchgeplant, weil wir nur drei Wochen durchs Land reisen. Drei, vier Tage irgendwo aufs Gepäck warten? Oder sogar gar kein Gepäck bekommen? Juhu!

Was nicht infrage kommt: Unsere Reisepläne ändern. Wir wollen alles sehen, was wir uns vorgenommen haben.

Wir verfolgen trotzdem also unsere Route – und sehen’s positiv. Kein lästiges Gepäck zum Schleppen, keine richtige Dusche und kein nerviges Umziehen am Morgen, da wir eh nur die Kleidung haben, die wir tragen. Passt schon. Richtiges Backpackerfeeling halt.

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Oh, happy day! Foto: kawe

Glück im Unglück

Tatsächlich reisen wir gleich am nächsten Morgen nach Monteverde, haben unsere schönen, stinkigen Klamotten an und wandern durch den zauberhaften Nebelwald. Wir lachen über unseren Gepäckverlust, natürlich immer mit der Hoffnung im Hinterkopf, dass unsere Rucksäcke doch noch auftauchen.

Und tatsächlich: Schon 24 Stunden später bekommen wir unsere Rucksäcke direkt ins Hostel geliefert – nach nur ein paar Anrufen und Missverständnissen am Telefon. Wo genau unser Gepäck temporär verloren ging, erfuhren wir erst Wochen später – in Panama City – aber das ist uns egal: Als wir unsere Rucksäcke in die Arme schließen können, sind wir für fünf Minuten die zwei glücklichsten Reisenden der Welt!

2) Eine fette Kakerlake auf dem Fuß – und eine verrückte Nacht im Freien

Affengebrüll, strahlende Sonne um vier Uhr morgens, ein wackelndes Hängebett im Freien. So haben wir uns unsere zweite Nacht in Sámara nicht vorgestellt. Aber hey, das Bett ist recht bequem, wir bekommen drei Nächte unseres Hostels zurückerstattet und finden am nächsten Abend ein viel komfortableres und günstigeres Zimmer ganz in der Nähe. Aber jetzt erst mal zurück…

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Eine romantische Nacht im Freien. Foto: J.F.

In der Nacht zuvor tanzen Jaqueline und ich wild auf einer Reggae Party und kehren nach Mitternacht in unser Hostelzimmer zurück. Wir teilen uns das Zimmer mit fünf weiteren Personen. Das Licht schalten wir nicht ein, wir wollen die anderen nicht aufwecken.

Wie aus fünf Zimmergenossen elf wurden…

Im Dunkeln suche ich meine Schlafsachen, als ich plötzlich eine Plastiktüte an meinem nackten Fuß spüre. Erschrocken wedele ich mit meinem linken Fuß herum, um die Plastiktüte abzuschütteln. Doch als ich auf den Boden schaue, sehe ich im Halbdunkel keine Plastiktüte sondern eine dicke, fette…Kakerlake! Ich kreische und mache schnell das Licht an. Jaqueline ist auch vollkommen schockiert und schaut sich im Zimmer um.

Auf einmal sind alle hellwach  und auch ich schaue mich panisch um. Plötzlich entdecken wir im ganzen Zimmer sechs wild herumrennende, zentimeterlange Kakerlaken, zwei verstecken sich in Rucksäcken von uns. Jaqueline und ich erschaudern vor Ekel. „Stellt euch mal nicht so an“, sagt ein Zimmergenosse zu uns. Echt jetzt?, denke ich nur – und auf einmal erschreckt auch er sich. Eine Kakerlake läuft auf seinem Kopfkissen herum und er schleudert sie schnurstracks auf Jaqueline. Jaja, stell dich mal nicht so an…

Eine romantische Nacht im Freien

Jaqueline und ich reagieren schnell. Wir schließen unsere Rucksäcke so schnell es geht, schnappen uns unser Schlafzeug und beschließen, draußen zu schlafen. Lieber von Mücken zerstochen und von Brüllaffen geweckt werden, als uns mit Kakerlaken ein Bett zu teilen, denken wir. Und tatsächlich: Wir verbringen die Nacht draußen, schlafen sogar ein bisschen und verlangen am nächsten Tag unser gesamtes Geld für drei Nächte zurück. Voilá, alles klappt. Und lustig war’s im Nachhinein – auch wenn ich nie nie wieder eine Kakerlake auf meinem Körper spüren möchte.

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Der Tag danach: Sámara genießen. Foto: J.F.

3) Wie meine Fahrradbremse nicht funktionierte und ich Todesangst hatte

Eine Fahrradtour an der Karibikküste – ein Traum, denken Jaquelines Freund Daniel und ich. Von Puerto Viejo wollen wir nach Manzanillo fahren. In eine Richtung knapp 13 Kilometer – eine kurze Spazierfahrt also. Eins, zwei, drei Hügel auf dem Weg, in Ordnung.

Wir sind sportlich, das geht schon klar – auch bei 30 Grad Hitze. Optimistisch radeln wir am Rande der Straße entlang, genießen den Ausblick aufs Meer. Einziges Manko bisher: Wir haben nur eine Rücktrittbremse und ziemlich klapperige, verrostete Fahrräder, keine Gangschaltung. Und natürlich keine Helme – so fahrlässig wie wir sind… Dass mir mein klapperiges Rad noch zum Verhängnis werden könnte, ahne ich natürlich nicht.

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Strände, für die es sich lohnt, zu radeln. ❤ Punta Uva. Foto: kawe

Auf dem Weg zurück passiert dann die erste kleine Panne. Daniels Fahrradkette springt raus. Kein Problem, denke ich, mache mir die Hände richtig schmutzig und repariere sein Rad. Etwas vorsichtiger fährt er nun weiter, die Autos immer ziemlich dicht an uns vorbei.

Eine Panne kommt selten allein

An einem der Hügel bergauf drücke ich ordentlich in die Pedale, als plötzlich auch meine Kette rausspringt. Ich erschrecke leicht und hantiere an meinem Rad herum. Diesmal ist es etwas schwieriger, die Kette wieder reinzubekommen, aber irgendwie kriege ich es doch hin – denke ich.

Daniel radelt vorraus und ich fahre hinterher. Wir radeln ausgelassen, jetzt kommen eigentlich nur noch Hügel, die bergab gehen. Mit einer ordentlichen Geschwindigkeit fahren wir herunter, als es mir doch etwas zu schnell wird. Routiniert drücke ich die Pedale zurück, um zu bremsen – doch es funktioniert nicht. Ich bremse nicht, ich rase weiter. Die Bremse funktioniert nicht mehr. Panik bricht in mir aus, ich sehe schon vor meinem inneren Auge, wie gleich wieder ein Auto dicht an mir vorbeirast und ich nicht bremsen kann – auf der Fahrbahn, herunterfahrend. Ich rufe nach Daniel, doch er ist zu weit entfernt, um mich zu hören. Ich versuche, mit den Füßen zu bremsen, aber ich bin zu schnell – und trage auch noch Birkenstocks. Nach einigen Sekunden, die mir eher wie Minuten vorkamen, komme ich am Fuße des Hügels an – lebendig, mit klopfendem Herzen und Todesangst. Ich hätte mich extrem verletzen können, schießt es mir durch den Kopf… wenn nicht sogar noch schlimmer…

Ohne kaputtes Fahrrad keine nette Bekanntschaft

Der Grund für die wilde Abfahrt: Die Fahrradkette ist nicht nochmal rausgesprungen, sondern eine Lasche kaputt. Deswegen funktioniert die Rücktrittbremse nicht…

Am Ende radelt Daniel alleine zurück und ich suche mir an einem naheliegenden Strand einen sympathischen Tico, der mich zurück mit seinem Auto nach Puerto Viejo fährt. Wir unterhalten uns wirklich gut, und ich trampe das erste Mal in meinem Leben. Der Schock über die kurze Horrorfahrt legt sich ziemlich schnell und ich sehe es so: Ich habe einen sympathischen Menschen kennengelernt und am Ende kein Geld für das klapperige Fahrrad gezahlt. Und eine weitere Urlaubsgeschichte zu erzählen. Stay positive eben.

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Die Karibikküste Costa Ricas. Foto: kawe

Ps.: Jetzt hast du Fernweh nach der Karibik? Dann schaue dir doch auch meinen Beitrag über die Dominikanische Republik an. In dem geht es um die weniger schönen Seiten der Karibik…

 

 

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3 Gedanken zu “Warum es gut ist, sein Gepäck zu verlieren und Kakerlaken im Zimmer zu haben

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