Wo ich mich in New York unwohl fühlte

Glitzer, Glamour, gelbe Taxis: New York. Schicke Hochhäuser, hippe Instagramer so weit das Auge reicht. Aber New York hat auch eine andere Seite: Die Bronx. Hier ist alles anders.

Für die meisten Touristen besteht New York nur aus dem Stadtteil Manhattan. Hier befinden sich die Must-sees wie das Empire State Building, Ground Zero und der Times Square. Dazu kommt dann höchstens noch Brooklyn, der coole Stadtbezirk auf der anderen Seite des Hudson River. Dass New York noch aus Queens, Staten Island und der Bronx besteht, wissen zwar viele, besucht werden die anderen Bezirke allerdings seltener. Selbst nach Harlem, ein Viertel in Manhattan nördlich des Central Parks, verirren sich nicht allzu viele Touristen.

Als ich also, typisch Touri, die ersten Tage nur durch Manhattan schlendere, fühle ich mich wie in einem Film. Sex and the City oder Gossip Girl zum Beispiel.

Die gelben Taxis fahren an mir vorbei, ich muss meinen Nacken verbiegen, um die Spitze der Wolkenkratzer zu sehen. Für meine Stiefeletten mit goldenen Absätzen und meine Cheeseburger-Socken bekomme ich eine Menge Komplimente. Cool sehe ich für die Leute aus, eine Touristin macht sogar ein Foto von mir. In Manhattan und Brooklyn fühle ich mich wohl.

Die Bronx – ein anderes New York

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Backsteinhäuser in der Bronx. Foto: kawe

Anders ist das in der Bronx. Elf Tage verbringe ich in New York, an meinem letzten Tag will ich den verruchten Stadtteil besuchen. Die Bronx ist für Kriminalität bekannt, Gewalt, Drogen und Gangs. Schon lange soll dieser Ruf nicht mehr korrekt sein, in meinem Reiseführer wird die Bronx dennoch nicht erwähnt. Und als ich durch die Straßen des einzigen Stadtteils New Yorks, das sich auf dem US-Festland befindet, schlendere, fühle ich mich wie ein Eindringling.

Weit und breit sind nur schwarze Menschen zu sehen, ihre Mienen sind verzerrt, sie wirken erschöpft, überarbeitet, niemand lächelt. Immer wieder bekomme ich schiefe Blicke zugeworfen, sie scheinen zu fragen: „Weißes Mädchen, was tust du hier? Hier gibt es keine Sehenswürdigkeiten, hier gibt es nur das echte Leben zu sehen. Das ist für dich in deinem Röckchen und den schicken Stiefeletten nichts.“

Unbehaglich schaue ich mich immer wieder um, die meisten Läden sind entweder Perückengeschäfte, Friseursalons oder Delikatessenläden. Die Backsteinhäuser sind trist und grau, sie sind zweckmäßig gebaut, je mehr Menschen reinpassen, desto besser. Immer wieder sehe ich Plakate mit der Aufschrift Cheap Divorce, günstige Scheidung, und einer Rufnummer.

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Günstige Scheidung gefällig? Foto: kawe

„Ich traue mich nicht, mit der Kamera Fotos zu machen“

Immer wieder bekomme ich Komplimente von jungen und alten Männern, wie schön ich doch wäre. Immer wieder sehe ich Gruppen von obdachlosen Männern, von Menschen, die heftig auf Droge sind, zerfetzte Klamotten tragen.

Lange bleibe ich nicht in der Bronx. Fotos mache ich von den Gebäuden höchstens mal mit dem Handy, meine teure Kamera traue ich mich nicht rauszuholen. Weniger wegen der Angst, sie geklaut zu bekommen, sondern mehr wegen der Blicke der Menschen. Auch so schon komme ich mir wie ein unbefugter Eindringling vor, mit riesiger Kamera käme ich mir noch mehr wie eine Gafferin vor.

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Von Glitzer und Glamour ist hier nichts zu sehen. Die Fotos habe ich alle mit dem Handy geschossen. Foto: kawe

Ein WG-Zimmer für über 4.000 Dollar 

New York zeigt sich mir in der Bronx von seiner anderen Seite, die zwar schon in Manhattan immer wieder durchgeblitzt ist, sich hier aber deutlich entfaltet. Wer kein oder wenig Geld hat, ist in dieser schnelllebigen, schweineteuren Stadt aufgeschmissen. Ein schäbiges, günstiges WG-Zimmer koste in New York City locker über 1.000 Dollar, erklärt mir ein New Yorker, den ich kennengelernt habe. Er selbst zahle für sein WG-Zimmer in Harlem, einem Teil Manhattans, etwa 4.500 Dollar – ein eigene Wohnung könne er sich nicht leisten. Er selbst sei ein Manager in einem Ärztehaus.

New York schluckt dein Geld und wenn du keins mehr hast, schluckt es auch dich. In Vierteln wie Harlem und dem Stadtbezirk Bronx siehst du immer wieder Graffiti, das für die Gleichberechtigung von Schwarzen und Weißen steht. Arm und reich, schwarz und weiß. Themen, die in New York wohl immer Thema bleiben. Gut, dass eins in der Bronx wenigstens günstig zu haben ist: Die Scheidung.

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„Du hast das Recht, die Aktivitäten der Polizei zu beobachten“, steht unter anderem auf diesem Graffiti in Harlem. Foto: kawe

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2 Gedanken zu “Wo ich mich in New York unwohl fühlte

    • Hallo ernst! Tatsächlich habe ich hier nur den für mich eher ungemütlichen Teil meiner Reise beschrieben, insgesamt gibt es aber auch sehr viele faszinierende Orte in New York und ich finde es lohnt sich schon, sich die Stadt mal anzuschauen! Der Blick auf die ganze Stadt vom Top of the Rock ist zum Beispiel atemberaubend! Viele Grüße!

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