6 Monate Mexiko – keine Angst sondern Neugier

„Viel Spaß in Mexiko. Überleb‘ bitte!“, sagte gestern einer meiner Dozenten zu mir und umarmte mich. Eine andere Dozentin sagte vor zwei Monaten etwas Ähnliches: „Wenn du überlebst, kriegst du schon ein paar Credit Points zum Anrechnen deines Kurses.“ Beide lachten dabei – aber ist nicht an jedem Witz ein Fünkchen Wahrheit dran – ein Fünkchen Sorge?

Ende Dezember geht’s für mich sechs Monate nach Monterrey, einer Millionenmetropole im Norden Mexikos. Dort werde ich studieren, Land, Leute und Kultur kennenlernen. Für mich herausfinden, was dran ist an dem Bild, das Medien und Bürger in Deutschland von dem lateinamerikanischen Land zeichnen.

Immer wieder findet man Kinderleichenteile am Straßenrand Mexiko Citys. Migranten auf dem Zug „La Bestia“ sollen erschossen werden, wenn sie bei Raubüberfällen ihre Schuhe nicht freiwillig abgeben – weil sie sonst keine Wertsachen dabei haben. Vor einigen Jahren sollen zwei unschuldige Studierende der Universität Tec de Monterrey (an der ich studieren werde) aus Versehen vom Militär erschossen worden sein. Solche und ähnliche Nachrichten lese ich etwa täglich im Netz.

Nicht alle Leben in Angst und Schrecken

Auch Freunde und Familie von mir sind besorgt. „Pass auf dich auf“ höre ich immer wieder. Und immer wieder höre ich die Frage: „Warum gehst du nach Mexiko? Hättest du dir nicht ein sichereres Land aussuchen können?“

Klar hätte ich. Aber wollte ich nicht. Denn ich möchte für mich herausfinden, wie es in Mexiko wirklich ist. Wie ich mich dort fühle, wie das Leben spielt. Knapp 130 Millionen Menschen leben in Mexiko – und es leben sicherlich nicht alle in Angst und Schrecken.

Wie wird sich die Politik unter AMLO verändern?

Klar sagen die Medien sicherlich die Wahrheit über einige Zustände im Land – aber es ist eben nur ein Teil der Wahrheit. Den anderen Teil der Wahrheit möchte ich herausfinden. Ich möchte mit den Menschen vor Ort sprechen, herausfinden, wie sie ticken, wie sie die politische Situation sehen.

Andrés Manuel López Obrador hat beispielsweise gerade erst seine Amtszeit als Präsident angetreten. Die Menschen erwarten ein Ende von Korruption, der Privilegien-Wirtschaft, weniger Gewalt und organisierte Kriminalität. Wird er wirklich etwas ändern oder doch enttäuschen?

Nicht von Angst leiten lassen

Und wie geht der Streit um die Mauer mit Trump weiter? Wie entwickelt sich die Lage mit den Migranten aus den anderen mittel- und südamerikanischen Ländern, die nach dem American Dream streben? Wie geht es Homosexuellen in Mexiko? Wie geht es Frauen in der angeblich so männlich dominierten Gesellschaft? Wie geht es Journalisten in dem (laut Reporter ohne Grenzen) weltweit gefährlichsten Land für Journalisten nach Syrien ?

Ich gehe nicht blauäugig nach Mexiko. Ich weiß, dass man als Frau und als Journalistin aufpassen muss. Ich werde nachts nicht einfach alleine durch die Straßen laufen, ich werde nicht achtlos über Drogenkriminalität recherchieren. Ich werde aufpassen – aber eben auch die Augen offen halten, um eigene Eindrücke zu sammeln. Um sich nicht von der Angst leiten zu lassen, von Medienberichten kirre gemacht zu werden und von Sorgen der Familie und Freunde überschwemmt zu werden.

Ein bisschen Mut gehört dazu im Leben – um wirklich zu leben. Und Mexiko zu entdecken.

Bildquelle: <a href=“https://www.freepik.com/free-photos-vectors/background“>Background vector created by Freepik</a>

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